1. Februar 2019

Seilbahn-Pläne für die Überseestadt sind eine Luftnummer

„Der Vorstoß des Wirtschaftsressorts für eine großangelegte Seilbahnstrecke ist eine Luftnummer. Dahinter steckt der durchsichtige Versuch, der erforderlichen Verlängerung der Straßenbahnlinie auszuweichen. Man fragt sich schon, warum viel Geld und Zeit für ein Integriertes Verkehrskonzept (IVK) für die Überseestadt investiert wurde, wenn jetzt alles mit solchen Spontanideen über den Haufen geworfen wird. Angeblich ist kein Geld da, um die Straßenbahn auszubauen und die Taktzeiten zu verkürzen. Das Busangebot in den Quartieren ist deutlich verbesserungsbedürftig, gerade im Westen und in Bremen-Nord. Da sind dreistellige Millionenbeträge für eine Seilbahn – denn bei 70 Mio. wird es sicher nicht bleiben – eine völlig falsche Initiative“, so Claudia Bernhard, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der LINKEN in der Bremischen Bürgerschaft.

„Das Ergebnis des IVK-Prozesses war: Eine Straßenbahnlinie bis zum Wendebecken wäre eine verkehrstechnisch hoch wirksame Maßnahme. Eine Straßenbahn-Querung über den Holzhafen nach Gröpelingen mittels einer Klappbrücke ist technisch möglich. Für die Verbindung zur Waterfront ist der Amphibienbus die günstigste und effektivste Lösung. So steht es im Bericht. Großangelegte Seilbahnprojekte, wie sie in jüngster Zeit Mode werden, sind mit Recht überall stark umstritten, wie die Beispiele aus Wuppertal, München und anderen Orten zeigen. Die Integration in den restlichen ÖPNV ist schwierig: Eine volle Straßenbahn führt beim Umstieg automatisch zur Schlangenbildung an der Seilbahn. Außerdem sind die meisten Stadtbewohner*innen wohl nicht darüber begeistert, im Garten oder auf dem Balkon von oben beäugt zu werden. Die Kosten sind bislang kaum abschätzbar, Investitions- und Betriebskosten werden meist systematisch heruntergerechnet. Dass Seilbahnbauer dringend ein neues Geschäftsfeld suchen, weil in den Skigebieten kaum noch neue Seilbahnen gebaut werden, sollte man ebenfalls einbeziehen.“

„Unterm Strich bleibt: Eine klare verkehrstechnische Notwendigkeit, der Ausbau von Straßenbahnen und Bussen in der Überseestadt, wird ignoriert zugunsten einer hippen Idee, die wenig leistet, nicht weit trägt und dafür schlicht zu teuer ist“, so Bernhard abschließend.